{"id":971537,"date":"2020-08-08T19:00:50","date_gmt":"2020-08-08T17:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/danwolf.de\/?p=971537"},"modified":"2024-07-15T16:24:20","modified_gmt":"2024-07-15T14:24:20","slug":"die-sache-mit-der-eigenen-maske","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kopfkirmes.info\/?p=971537","title":{"rendered":"Die Sache mit der (eigenen) Maske"},"content":{"rendered":"\n<p style=\"font-size:18px\" class=\"has-text-align-center\"><strong>Nein&#8230; Nicht die allgegenw\u00e4rtige &#8222;Mund-Nase-Maske&#8220;. ?<br>Ich m\u00f6chte hier tats\u00e4chlich \u00fcber die ganz eigene Maske, die viele von uns jeden Tag tragen, sprechen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>&#8222;Ach&#8230; Mit Depressionen h\u00e4tte ich bei Dir gar nicht gerechnet. Du bist immer so eloquent!&#8220;<\/em><br><em>&#8222;Man erkennt bei Dir gar keine Emotionen im Gesicht! Ist Dir denn alles egal?!&#8220;<\/em><br><em>&#8222;Du kannst doch lachen wenn Du mit Freunden zusammen bist! Warum nicht sonst auch?!<\/em><br><br>S\u00e4tze, die ich so oder so \u00e4hnlich immer wieder h\u00f6re. Und tats\u00e4chlich stimmen sie sogar. Ich kann inzwischen meine &#8222;Maske&#8220; nach Belieben auf- und wieder absetzen. Jahrelanges &#8222;Training&#8220; durch die Depressionen. ?Das ich diese &#8222;Maske&#8220; relativ lange Zeit durchaus bewusst eingesetzt habe, um meine wahren Gef\u00fchle nicht zu zeigen, umso mehr kotzt mich diese &#8222;Maske&#8220; in letzter Zeit mehr &amp; mehr an. Und es strengt auch ungemein an&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht mag jetzt der ein oder andere denken, dass es von Vorteil sei seine Gef\u00fchle hinter einer Maske zu verstecken. Ich kann dem sogar in Teilen zustimmen. In gewissen Situationen, wie zum Beispiel in einem Job, kann es sicherlich von Vorteil sein, &#8222;nichts&#8220; an sich ran zu lassen. Aber im &#8222;Leben&#8220; (gerade mit einer Depression) ist das weniger von Vorteil. Ganz im Gegenteil&#8230; Inzwischen empfinde ich das sogar als Belastung. Ich m\u00f6chte nicht mehr &#8222;l\u00fcgen&#8220; m\u00fcssen. Ich m\u00f6chte endlich mal ich selbst sein. Mit allen H\u00f6hen &amp; Tiefen. Und vor allem auch mit meiner &#8222;Erkrankung&#8220; als solches. <\/p>\n\n\n\n<p>Sicherlich habe ich diese Maske auch zum Teil als &#8222;Eigenschutz&#8220; genutzt. Andere Menschen an mich heran lassen, ihnen trauen&#8230; Das ist bei mir (noch immer\/wieder?!) keine leichte \u00dcbung. Daher war ich wohl auch lange froh \u00fcber eine solche Maske. Aber wie bereits geschrieben, inzwischen ist mehr eine Be- als eine Entlastung geworden. Hat sicherlich viel damit zu tun, dass ich inzwischen mein &#8222;Ich&#8220; wesentlich besser selbst akzeptieren und in gewissen Ma\u00dfe auch damit umgehen kann (Auch wenn ich noch nicht wirklich da bin, wo ich hin m\u00f6chte). <\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe festgestellt, dass es durchaus gewisse Verhaltensmuster sind, die mich dazu gebracht haben eine Art von Maske aufzusetzen. &#8222;Gelernt&#8220; habe ich da wohl viel von meiner Mutter. Sie hat in einem Beruf gearbeitet, in dem man es tagt\u00e4glich mit Menschen zu tun hatte, eine gewisse Freundlichkeit vorausgesetzt war und in dem man sich keine &#8222;Launen&#8220; leisten konnte. Nat\u00fcrlich hatte meine Mutter auch mal schlechte Tage. Und trotzdem konnte sie -scheinbar- f\u00fcr die Arbeit einen &#8222;Schalter umlegen&#8220; und das freundliche &amp; eloquente Gegen\u00fcber sein. Als ich j\u00fcnger war, habe ich sie daf\u00fcr bewundert und habe mir dadurch wohl einen gewissen Teil abgeschaut. Nat\u00fcrlich tr\u00e4gt auch meine NPS damit bei, mich -f\u00fcr mich selbst- &#8222;steuerbar&#8220; zu machen und die Maske beliebig auf- &amp; abzusetzen. <\/p>\n\n\n\n<p>ne lange Zeit habe ich mich damit wohl gef\u00fchl, h\u00e4ufig habe ich auch gedacht, dass es sogar (im Berufsleben\/Umgang mit fremden Menschen) so sein muss. Irgendwann habe ich aber gesp\u00fcrt, dass dem eben nicht so ist. Ganz im Gegenteil&#8230; Je \u00e4lter ich wurde, desto h\u00e4ufiger habe ich bemerkt, dass auch meine Maske nicht perfekt ist und viele meiner Gegen\u00fcber es schnell bemerkt haben, wenn ich ihnen etwas &#8222;vorgemacht&#8220; habe. Lange Zeit kam dann die &#8222;typische&#8220; Ausflucht dass dem doch nicht so sei und man sich keine Gedanken machen solle. <\/p>\n\n\n\n<p>Tats\u00e4chlich bin ich aber damit in den letzten Jahren mehr &amp; mehr &#8222;auf die Nase gefallen&#8220;. Ganz erschreckend wurde es vor noch gar nicht so einer lange Zeit bei einem Arbeitgeber (Der zugleich auch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer war), der das unglaubliche Talent hatte sehr h\u00e4ufig hinter diese Maske\/Fassade zu schauen. Zuerst habe ich mich \u00fcbelst &#8222;ertappt&#8220; gef\u00fchlt, dann bin ich relativ schnell in &#8222;Abwehrhaltung&#8220; gegangen und habe mich letztendlich mit ihm in die Haare bekommen (Und dadurch auch den Job verloren). Inzwischen sehe ich aber, dass er es damals gar nicht b\u00f6se gemeint hat (So kam es nur bei mir im Kopf an) und eigentlich alles daf\u00fcr getan hat, es eben nicht so &#8222;eskalieren&#8220; zu lassen. <\/p>\n\n\n\n<p>Und dieser Job bzw. die Umst\u00e4nde mit dem damaligen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer haben mir gezeigt, wie wichtig es doch ist, ich selbst zu sein. Ganz ohne Maske und irgendwelchen vermeintlich freundlichen Phrasen.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider ist diese Erkenntnis nur der erste Schritt. Die Umsetzung f\u00e4llt mir noch immer sehr schwer. Tats\u00e4chlich hatte ich vor einigen Tagen einen wichtigen Termin in dem es durchaus um mich &amp; meine Erkrankungen ging. Bei diesem Termin fiel es mir unglaublich schwer, ich selbst zu sein, mir meine Schw\u00e4chen zuzugestehen und nicht wieder &#8222;einfach nur freundlich&#8220; zu sein. (Fremde) Menschen an mich heran zu lassen, ihnen -ganz sachlich und durchaus neutral- meine Situation schildern, ihnen nicht einen eloquenten Mann &#8222;vorzuspielen&#8220; sondern durchaus zuzugeben das man in bestimmten Situationen mehr als nur unsicher ist&#8230; Uff&#8230; Das ist tats\u00e4chlich ein verdammt hartes St\u00fcck Arbeit. (Alte) Verhaltensmuster aufbrechen und durch neue (positive) Muster ersetzen. Ich glaube, dass ist meine Agenda f\u00fcr 2020.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn es (noch) verdammt viel Kraft &amp; \u00dcberwindung kostet. Auch hier gilt f\u00fcr mich folgende Devise: <em>&#8222;Lieber kleine Schritte, als gar keine!&#8220;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin gespannt auf dieser Art von Arbeit, zugegeben, es macht mir auch ein wenig (mehr) Angst. Wo man sich doch so lange Zeit mit diesen Verhaltensmustern &amp; der Maske &#8222;arrangiert&#8220; wenn nicht sogar &#8222;wohl gef\u00fchlt&#8220; hat. Da kann man wohl nicht &#8222;mal eben&#8220; mit einem Fingerschnips solche Muster abstellen&#8230; ?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:11px\" class=\"has-text-color has-background has-very-dark-gray-color has-very-light-gray-background-color\"><em>Auch hier nochmals als kleiner &#8222;Reminder&#8220;:<br>Genau das ist es, was viele psychische Erkrankungen so anstrengend macht. Verhaltensmuster erkennen und ver\u00e4ndern. Das ist ein t\u00e4glicher Kampf mit sich selbst, den Emotionen und in ganz vielen F\u00e4llen auch mit der eigenen Angst. In dieser Hinsicht kann das Seelenleben schon eine verdammte Zicke sein. Muster, die man irgendwann mal erlernt hat, lassen sich eben leider nicht von jetzt auf gleich ver\u00e4ndert. Das ist in den meisten F\u00e4llen ein langwieriger Prozess. Vergesst das bitte niemals im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen. Was man in solchen Phasen braucht, ist ein wenig Verst\u00e4ndnis, Zuspruch und vielleicht auch ein wenig Unterst\u00fctzung. Was uns Betroffenen <strong>nicht<\/strong> hilft, ist Dr\u00e4ngen, Unverst\u00e4ndnis oder gar Kritik an der Erkrankung. Dies best\u00e4tigt jemanden mit einer psychischen Erkrankung oftmals in den alten Verhaltensmuster und machte eine Ver\u00e4nderung nur unn\u00f6tig schwer. ? <\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\"> Artikelbild von <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/blende12-201217\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=2174145\">Gerhard G.<\/a> auf <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=2174145\">Pixabay<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein&#8230; Nicht die allgegenw\u00e4rtige &#8222;Mund-Nase-Maske&#8220;. ?Ich m\u00f6chte hier tats\u00e4chlich \u00fcber die ganz eigene Maske, die viele von uns jeden Tag tragen, sprechen. &#8222;Ach&#8230; Mit Depressionen h\u00e4tte ich bei Dir gar nicht gerechnet. Du bist immer so eloquent!&#8220;&#8222;Man erkennt bei Dir gar keine Emotionen im Gesicht! 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