{"id":942177,"date":"2020-05-31T18:30:00","date_gmt":"2020-05-31T17:30:00","guid":{"rendered":"https:\/\/danwolf.de\/?p=942177"},"modified":"2024-07-15T16:24:20","modified_gmt":"2024-07-15T14:24:20","slug":"trigger-narzismus-narzisst-ist-nicht-gleich-narzisst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kopfkirmes.info\/?p=942177","title":{"rendered":"[Trigger: Narzismus] Narzisst ist nicht gleich Narzisst"},"content":{"rendered":"\n<p>Oder auch: Bitte stempelt Narzissten nicht als <em>&#8222;Seelenfresser&#8220;<\/em> ab!<\/p>\n\n\n\n<p style=\"background-color:#ff0000;color:#000000;font-size:12px\" class=\"has-text-color has-background\"><strong>Bitte beachtet, dass ich im folgenden Beitrag etwas detaillierter auf die Narzisstische Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung eingehen werde, aus der eigenen Erfahrung berichte und sicherlich dadurch bei dem ein oder anderen einen wunden Punkt treffe. Solltest Du Dich unwohl mit dem Geschriebenen f\u00fchlen, lies lieber an einem anderen Tag weiter oder lass diesen Beitrag eventuell komplett aus.<\/strong> ?<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder begegnet mir eine Reaktion, wenn ich von meiner Narzisstischen Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung (NPS) erz\u00e4hle: <br>Angst &amp; Abweisung.<br>Oftmals wird \u00fcber Narzissten sehr <s>undifferenziert<\/s> einseitig geschrieben. Sie werden als Gefahr f\u00fcr anderen Menschen dargestellt, vor ihnen wird regelrecht gewarnt und es wird ihnen oft unterstellt keine (emotionale) Bindung zu anderen Menschen aufbauen zu k\u00f6nnen. In manchen Artikeln, Blogs aber auch Fachpublikationen wird sogar manch einmal der Eindruck erweckt, &#8222;NPSler&#8220; biegen sich das gesamte Leben nur zu ihrem Nutzen zurecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das kann tats\u00e4chlich auch richtig sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine NPS, die unentdeckt &amp; unbehandelt bleibt, <strong>kann<\/strong> zu schlimmen Folgen <em>(in Beziehungen)<\/em> f\u00fchren. Sie <strong>kann<\/strong> Partnerschaften belasten und ganz sicher auch anderen Menschen einen gewissen Schaden zuf\u00fcgen.<br>Doch ist sie eben auch <strong><em>(mit sehr langfristiger &amp; harter Arbeit!)<\/em><\/strong> in den Griff zu bekommen. Das sage ich -gerade auch, weil ich eben gerade &#8222;voll in dieser harten Arbeit&#8220; stecke- aus eigener Erfahrung. Ich m\u00f6chte auch gar nicht abstreiten, dass eine Beziehung zu einem Menschen, der unter einer NPS leidet, alles andere als einfach ist und sicherlich in ganz vielen F\u00e4llen auch &#8222;toxisch&#8220; ist. Und andere Menschen geh\u00f6ren in diesen F\u00e4llen vor der Person mit der NPS gesch\u00fctzt und <strong>m\u00fcssen<\/strong> der Beziehung entzogen werden. Keine Frage, auch das habe ich bei meinem gro\u00dfen Beziehungskrach 2004 <em>leider, leider<\/em> erst im Nachgang lernen m\u00fcssen. Bei einer weiteren l\u00e4ngeren Beziehung konnte ich 2008 grad noch rechtzeitig die &#8222;Notbremse&#8220; selbst ziehen und habe mich seit dem auch nicht wieder auf eine l\u00e4ngere Beziehung eingelassen. Auch zum Schutz anderen Menschen vor meiner NPS. <\/p>\n\n\n\n<p>Und trotzdem sind eben nicht alles Narzissten gleich oder k\u00f6nnen in irgendwelche &#8222;Schubladen&#8220; gedr\u00fcckt werden.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\" class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\">In den Fachpublikationen gibt es aber trotzdem z.Z. drei verschiedene Typus der NPS. Nur zur Vollst\u00e4ndigkeit, m\u00f6chte ich diese drei Typen hier kurz anrei\u00dfen:<br><br><strong>&#8211; exhibitionistischer Narzissmus<\/strong> (exhibitionistischer Narzismus)<br>Das ist wohl noch die &#8222;freundlichste&#8220; Form des Narzismus und wird sogar gerne von Hollywood aufgegriffen. Das sind Menschen die -gerade beruflich- sehr erfolgreich sein k\u00f6nnen, sehr selbstbewusst und eher &#8222;arrogant&#8220; auf andere wirken. Allerdings kann auch dieser Typus durchaus manipulativ sein (gerade im Berufsleben) und Dinge zu seinem eigenen Vorteil beeinflussen.<br><br><strong>&#8211; grandios-maligne Narzissmus<\/strong> (offener Narzismus)<br>Das w\u00e4re dann wohl der &#8222;Worst Case&#8220; einer NPS. Egoistische, extrovertierte, arrogante und selbstdarstellerische Verhaltensweisen. Reduzierte Anpassungsf\u00e4higkeit an soziale Situationen, deutlicher Empathie-Mangel, Neigung zu Wutausbr\u00fcchen und Aggression. In jeglichen Beziehungen sehr manipulativ. Wird auch gerne irgendwelchen F\u00fchrern von diktatorischen Staaten unterstellt.<br><br>&#8211; <strong>vulnerabler Narzismus<\/strong> (verdeckter Narzismus)<br>Dieser Typus zeichnet sich vordergr\u00fcndig durch eine sehr depressive Stimmung, aber auch Scham und Angst aus. Kritik und Misserfolge schlagen bei diesem Typus besonders hart ein. Dies f\u00fchrt zwar h\u00e4ufig dazu, dass Betroffene eher Hilfeangebote in Anspruch nehmen, bedingt durch falsch verstandene Kritik aber auch h\u00e4ufiger suizidal sind. Zudem hat auch dieser Typus Schwierigkeiten Empathie f\u00fcr andere Menschen zu zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier gilt allerdings, nichts l\u00e4uft nach &#8222;Schema F&#8220;. Als ich 2004\/2005 die erste Diagnose einer NPS bekommen habe, zog sich auch bei mir erst einmal alles zusammen, weil ich selbst bis dahin wohl eher das Bild eines -Tschuldigung f\u00fcr die blumige Sprache im Folgenden- manipulative, vielleicht auch gef\u00e4hrlichen Arschloches im Kopf hatte. In den Jahren und in der Beziehung zuvor, war ich das zum Teil auch. Ich habe aber auch verkannt, wie sehr mit (vermeintliche) Kritik &amp; Kr\u00e4nkungen zu schaffen gemacht haben. Vor allem aber, habe ich lange nicht den Grund erkannt, warum ich so bin wie ich bin <em>(Oder anders: So geworden bin)<\/em>. Es sind Dinge passiert, gesagt &amp; getan worden, die mich gepr\u00e4gt haben <em>(Bei negativen Erfahrungen wird auch gerne von &#8222;Traumatisierung&#8220; gesprochen)<\/em>. Es gibt einige &#8222;Verdachtsmomente&#8220; in meiner Biografie, die es sicherlich auch nochmals genauer abgekl\u00e4rt werden. In jedem Fall gibt es auch f\u00fcr eine NPS einen &#8222;Ausl\u00f6ser&#8220;, Menschen werden nicht als &#8222;Narzisst&#8220; geboren. Tats\u00e4chlich (k\u00f6nnen) durch verschiedene Erfahrungen &amp; Pr\u00e4gungen ganz unterschiedliche Pers\u00f6nlichkeitsmerkmale &amp; Verhaltensweisen enstehen. All das in Grundz\u00fcgen zu erkennen war ein langer Prozess und hat sicherlich einige Jahre gebraucht bis ich da gewisse Schnittpunkte erkannt habe. Eigentlich habe ich erst w\u00e4hrend des letzten Aufenthalt in der Klinik und in der folgenden ambulanten Therapie erkannt, dass meine riesengro\u00dfe Unsicherheit, die Scham &amp; Angst mit der NPS zusammenh\u00e4ngen (Und die Depression daher &#8222;nur&#8220; ein Symptom aus der NPS ist). Daher w\u00fcrde ich mich selbst inzwischen wohl eher in die &#8222;verdeckte&#8220; Schublade packen. Ich bin mir allerdings auch den &#8222;negativen&#8220; Seiten der NPS sehr bewusst. So kann ich in bestimmten Situationen ein &#8222;Charmebolzen&#8220; sein und dies gewiss auch zu meinem Vorteil einsetzen <em>(Ein Grund, warum ich so Hemmungen habe andere Menschen kennen zu lernen. Weil ich genau wei\u00df, wie ich wirken kann und dies eigentlich gar nicht sein m\u00f6chte)<\/em>. Auch kann ich relativ schnell j\u00e4hzornig werden und betrachte Kritik (leider) noch immer nicht mit dem n\u00f6tigen Abstand.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau diese Komplexit\u00e4t ist auch f\u00fcr Betroffene das schwierigste dabei. Man f\u00fchlt sich irgendwie selbst verloren, eben weil man oft selbst nicht versteht warum man so ist wie man ist. Die mangelnde Empathie gegen\u00fcber anderer Menschen macht das dann nat\u00fcrlich sehr schwierig es nach au\u00dfen hin zu kommunizieren. Genau da bauen sich dann Spannungsfelder in Beziehungen auf. Wenn dann noch manipulative Anteile zum Tragen kommen, wird es nat\u00fcrlich auch f\u00fcr z.B. den Partner oder Angeh\u00f6rige schwierig bzw. gar gef\u00e4hrlich. Und sp\u00e4testens da ist dann ein Punkt erreicht, an dem man sich dieser &#8222;toxischen&#8220; Beziehung entziehen sollte. Keine Frage!<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ein Betroffener braucht nicht nur professionelle Unterst\u00fctzung <em>(Wo ja grad auch eine NPS den Betroffenen oftmals selbst im Wege steht sich Hilfe zu suchen)<\/em>, auch braucht es -aus meiner Erfahrung heraus- ein stabiles Umfeld, welches den Betroffenen -soweit es geht- st\u00fctzt. Da bin ich ganz pers\u00f6nlich meiner Familie sehr dankbar. Ohne diese Menschen h\u00e4tte ich wohl, trotz der &#8222;Belastung&#8220; die ich manchmal sein konnte, nicht so lange durchgehalten. Nat\u00fcrlich haben mich auch die zahlreichen Therapien\/Kliniken ein ganzes St\u00fcck weitergebracht. Daher ist es auch -aus meiner Sicht- wichtig, den Betroffenen Hilfeangeboten aufzuzeigen. Annehmen m\u00fcssen sie die Hilfe letztendlich nat\u00fcrlich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>So vielf\u00e4ltig, wie eine NPS sein kann, so unterschiedlich k\u00f6nnen auch die Gr\u00fcnde einer NPS sein. Oftmals wird gesagt, dass ein Betroffener unter Einfluss einer narzisstischen Person aufgewachsen ist <em>(Dazu hier ein Verweis auf eine recht aktuelle Studie)<\/em>. Tats\u00e4chlich habe ich das auch ziemlich lange gedacht und einem Elternteil recht schnell &#8222;die Schuld&#8220; gegeben. Allerdings ist mir auch da erst im Laufe der Jahre klar geworden, dass es eben nicht ganz so einfach &amp; mit relativ gro\u00dfer Komplexit\u00e4t verbunden ist. Ich bin da, zugegeben, zu wenig Fachmensch f\u00fcr, denke aber tats\u00e4chlich, dass es eine Mischung aus fr\u00fchkindlicher Pr\u00e4gung, Erziehung aber auch Erlebten aus der Kindheit &amp; Jugend ist. So werte ich das zumindest f\u00fcr mich und aus den Erfahrungen, die ich beispielsweise als Teenager gemacht habe (Mangelnde Kritikf\u00e4higkeit bzw. den falschen Umgang mit Kritik). Das mag bei einem anderen Betroffenen schon wieder ganz anders sein. Man hat eben auch hier ein buntes Potpourri an Einfl\u00fcssen und deren Ergebnissen. <\/p>\n\n\n\n<p>Und genau das macht es m.M.n. so schwierig &#8222;NPSler&#8220; in Schubladen zu stecken oder gar zu pauschalisieren. Da w\u00fcrde ich mir tats\u00e4chlich in vielen Stellen einen etwas differenzierten Blick auf das Ganze w\u00fcnschen. Nichtsdestotrotz m\u00f6chte ich nat\u00fcrlich auch nicht unterschlagen, das Betroffene von psychischer Gewalt<em> (aufgrund was auch immer f\u00fcr einer Vorerkrankung)<\/em> Hilfeangebote brauchen. Aber auch da w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen, wenn man nicht gleich das gro\u00dfe Gefahrenschild raus holen w\u00fcrde. Denn so wie Menschen sehr vielf\u00e4ltig sind, so gibt es auch bei Narzissten Vielf\u00e4ltigkeit. Und gewiss auch der Wille, etwas zu \u00e4ndern und sich mit einer NPS zu &#8222;arrangieren&#8220; <em>(Denn mehr ist es nach meiner Erfahrung nicht. Man kann eine NPS nicht &#8222;beseitigen&#8220;. Man kann nur lernen damit zu leben und &#8222;das Bestm\u00f6gliche&#8220; draus zu machen)<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"background-color:#e3e3e3\" class=\"has-background\">Auf die Idee f\u00fcr den Artikel hat mich eine <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/bpded.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s40479-020-00125-7\" target=\"_blank\">Studie<\/a> einer australischen Universit\u00e4t <em>(University of Wollongong)<\/em> gebracht. Dort wurden die narzisstischen Tendenzen von etwa 330 Teilnehmer im Alter von ca. 17 bis 25 erfasst. Gefragt wurde nach dem eigenen Empfinden der elterlichen Erziehung <em>(F\u00fcrsorge, \u00dcberbeh\u00fctung, Autoritarismus<\/em>), aber auch m\u00f6glicher Traumatisierung und den generellen Tendenzen f\u00fcr ein narzisstisches Verhalten.<br><br>Laut der Studie sind \u00dcberbeh\u00fctung und \u00fcberm\u00e4\u00dfiges Lob wohl zwei entscheidende Faktoren, die narzisstische Tendenzen verst\u00e4rken k\u00f6nnen <em>(Ich k\u00f6nnte jetzt salopp von den s.g. &#8222;Helikotereltern&#8220; sprechen).<\/em> Um eine gewisse Resilienz &amp; ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen, ist laut der Studie eine gute Mischung aus elterlicher F\u00fcrsorge, richtigen Grenzen, aufrichtigen Lob und  auch die M\u00f6glichkeit mal Fehler zu machen notwendig.<br><br>Und tats\u00e4chlich erkenne ich da gewisse \u00dcbereinstimmungen in meiner Biografie und der Erziehung meiner Eltern. F\u00fcr mich als Betroffener sehr spannend, hilft es doch ein wenig beim &#8222;Verstehen&#8220; <em>(Und nein, ich m\u00f6chte damit nicht (meinen) Eltern die Schuld alleinig geben!)<\/em>.<br><br>(Quelle: <em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/bpded.biomedcentral.com\/track\/pdf\/10.1186\/s40479-020-00125-7\" target=\"_blank\">Narcissistic traits in young people: understanding the role of parenting and maltreatment<\/a><\/em> &#8211; Englisch, PDF)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\"><em>\u00dcberarbeitung des Artikel: 02.Juni 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oder auch: Bitte stempelt Narzissten nicht als &#8222;Seelenfresser&#8220; ab! Bitte beachtet, dass ich im folgenden Beitrag etwas detaillierter auf die Narzisstische Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung eingehen werde, aus der eigenen Erfahrung berichte und sicherlich dadurch bei dem ein oder anderen einen wunden Punkt treffe. 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