{"id":935648,"date":"2020-05-22T17:36:29","date_gmt":"2020-05-22T16:36:29","guid":{"rendered":"https:\/\/danwolf.de\/?p=935648"},"modified":"2024-07-15T16:24:21","modified_gmt":"2024-07-15T14:24:21","slug":"alltag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kopfkirmes.info\/?p=935648","title":{"rendered":"Alltag"},"content":{"rendered":"\n<p>Eigentlich f\u00e4ngt ein Tag ja mit dem Aufstehen an. Ich m\u00f6chte diesen Beitrag \u00fcber meinen Alltag aber schon am Abend vorher beginnen. Mit dem, zum Teil sehr schwierigen, Einschlafen irgendwann Nachts.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Gedanken schwer wie Blei<\/h4>\n\n\n\n<p>Mit Depressionen ist es eh schon schwer eine gewisse Routine im Alltag zu finden. Wo andere Menschen schon fast eine penible &amp; minutengenaue &#8222;Einschlafzeit&#8220; haben, so ist das bei <em>&#8222;Depressionisten&#8220;<\/em> ein bisschen anders. Da kann es schon eine &#8222;Routine&#8220; sein, wenn man Abends irgendwann zwischen 21.00 Uhr und 00.00 Uhr zu Bett geht. Man hat es dann wenigstens ins Bett geschafft und ist nicht, wie so oft, auf dem Sofa versackt. Wenn dann aber noch sehr &#8222;laute&#8220; Gedanken dazu kommen, wird das mit dem Schlafen zur richtigen Challenge. Tats\u00e4chlich f\u00fchlt es sich f\u00fcr mich mit solch &#8222;tonnenschweren&#8220; Gedanken auch genauso an. Laut! Die &#8222;Gedankenmaschine&#8220; will dann einfach nicht schweigen, sie h\u00e4mmert einem unentwegt laut im Kopf herum und kommt, ganz egal wie sehr man versucht andere Gedanken zu finden, doch immer wieder auf sehr &#8222;destruktive&#8220; Gedanken zur\u00fcck (Bei mir pers\u00f6nlich auf arg selbstabwertende Gedankenz\u00fcge). Inzwischen habe ich einige &#8222;Skills&#8220;, mit denen ich versuche diese &#8222;Gedankenmaschine&#8220; zu stoppen oder wenigstens etwas zu verlangsamen. Musik klappt eigentlich immer recht gut, dabei kann ich den Kopf abschalten und mich mal ein wenig von den schlechten Gedanken distanzieren. Eine Zeit lang habe ich es auch mal mit Entspannungs\u00fcbungen probiert, in denen durch die Konzentration auf bestimmte K\u00f6rperteile oder -funktionen das Denke auch recht zuverl\u00e4ssig &#8222;ausgeschaltet&#8220; worden ist. Oder ich bin tats\u00e4chlich auch nochmals aufgestanden und habe (kleine) Aufgaben erledigt. Und wenn dieses &#8222;Skills&#8220; nicht mehr geholfen habe, habe ich auf dem Tablet eben einen Streamingdienst mit irgendeiner Serie oder einen Stream bei Twitch angeschmissen. Das hat mich schon oft zuverl\u00e4ssig von der &#8222;Gedankenmaschine &#8220; abgelenkt. Irgendwann ist man das so m\u00fcde, dass man trotz des qu\u00e4kenden Tablets eingeschlafen ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Und dann gibt es da die Tage, an denen das alles nicht hilft. Weder Musik, irgendwelche Entspannungs\u00fcbungen noch die Ablenkung durchs Popocornkino. Das sind dann wirklich nervige N\u00e4chte. Weil man sich (wortw\u00f6rtlich!) stundenlang von einer Seit auf die andere dreht, die Gedanken im Kopf nicht zum Schweigen bringen kann und Stunde um Stunde einfach nur noch hofft einzuschlafen. Vielleicht kennt ihr ja diese Phase, in der sich der gesamte K\u00f6rper absolut m\u00fcde &amp; geschafft f\u00fchlt, sich nach Erholung sehnt, sie aber nicht bekommt weil der Kopf mit den superlauten Gedanken dem Ganzen im Wege steht. Und das geht dann bei mir oftmals die halbe Nacht, bis ich irgendwann v\u00f6llig ersch\u00f6pft einschlafe. Nicht selten bin ich dann mitten in der Nacht noch mal aufgestanden, hab mich vor den Computer oder die Glotze gepackt und bin dann dort in echt \u00fcblen Positionen eingeschlafen. Das nicht nur die N\u00e4chte auf dem Sofa oder vor dem Computer extrem unangenehm sind, brauche ich wohl nicht zu erw\u00e4hnen. Auch dieses Einschlafen mit dem &#8222;Gedankenkarussell&#8220; tr\u00e4gt nicht unbedingt zu einem erholsamen Schlaf bei. Nicht nur, dass der Schlaf dann sehr kurz ist (An solchen Tagen komme ich dann gerne mal auf nicht mehr als 4h Schlaf insgesamt), auch ist das Aufwachen nach solchen N\u00e4chten oftmals kein Spa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Morgens das selbe Spiel in Gr\u00fcn<\/h4>\n\n\n\n<p>Denn Morgens gehts dann gleich weiter. Ich habe festgestellt, dass ich nach solchen N\u00e4chten oftmals sehr &#8222;ruckartig&#8220; aufwache. So gar nicht entspannt, gem\u00fctlich &amp; &#8222;sanft&#8220; wie es eigentlich sein sollte. Nein, oftmals mach ich die Augen auf und habe direkt schon wieder einen Gedanken im Kopf der einfach nur nervig &amp; anstrengend ist. Dementsprechend schnell beeile ich mich dann nat\u00fcrlich auch aus dem Bett zu kommen. Ein gem\u00fctliches Aufwachen ist das nicht. Und oftmals bin ich dann Morgens auch so durch den Wind, dass ich mich sofort wieder vor die Glotze oder den Computer packe. Ablenkung, damit die &#8222;Gedankenkotze&#8220; nicht \u00dcberhand nimmt. Erst dann gibt es einen Kaffee und vielleicht mal so etwas wie &#8222;Morgenroutine&#8220;. Es gab aber durchaus auch schon Tage, an denen ich es noch nicht mal geschafft habe einen Kaffee zu machen oder mich unter die Dusche zu packen. Das waren\/sind dann solche Tage, an denen ich eigentlich nur auf dem Sofa\/vor dem Computer\/der Konsole &#8222;versumpfe&#8220;. Inzwischen versuche ich, auch wenn es an solchen Tagen extrem schwer f\u00e4llt, zumindest das Mindeste am Morgen zu schaffen ohne mich dabei gleich z.B. mit der Glotze abzulenken. Hei\u00dft, ich stehe -egal wie schwer die Gedanken sind- auf, mache mir einen Kaffee (Handgefiltert FTW!), schmei\u00dfe meine Morgenroutine, gehe duschen und ziehe nicht die Gammelklamotten an, sondern schmei\u00dfe mich in die Alltagsklamotten (Ich habe festgestellt, dass das schon viel bei mir ausmacht). Dann vielleichr kurz die t\u00e4glichen Nachrichten &amp; Zeitungsartikel abchecken und einen Blick auf die &#8222;To-Do Zettel&#8220; werfen (Auch hier aus eigener Erfahrung: Hilft oftmals, wenn man sich gewisse Aufgaben wie z.B. im Haushalt schon einige Tage vorher eingeplant hat und dann diese auch am entsprechende Tag angeht) und mit den ersten Aufgaben beginnen. Schon allein, um dem &#8222;Gedankenkarussell&#8220; ein wenig den Schwung raus zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Das Gedankenkarussell bet\u00e4uben<\/h4>\n\n\n\n<p>Leider kommt es noch immer vor, dass ich es grad vielleicht mal bis zum Duschen &amp; Anziehen schaffe, aber dann schon wieder so sehr im Gedankenkarussell feststecke, das der restliche Tag eigentlich schon gelaufen ist. Nicht selten fange ich meine &#8222;To-Do Liste&#8220; dann erst gar nicht an (oder mache es nur halbherzig) sondern versuche mich irgendwie von den h\u00e4mmernden Gedanken abzulenken. Eventuell ist das nicht so leicht nachzuvollziehen. Wo es doch eigentlich &#8222;nur&#8220; Gedanken sind. Ihr m\u00fcsst Euch allerdings vorstellen, dass eben genau diese Gedanken (an manchen Tagen) so derma\u00dfen m\u00e4chtig sind, dass sie mich quasi auf keinen anderen Gedanken kommen lassen. An wirklich schlimmen Tagen, rei\u00dfen diese Gedanken mich nur noch tiefer in den Sumpf aus Selbstvorw\u00fcrfen, Hass auf mich selbst aber auch auf diese Gedanken und einer Art Hoffnungslosigkeit, die nicht besonders spa\u00dfig ist. Dies endet nicht selten dann in eine unglaublich erm\u00fcdende Lethargie, die einen -so unlogisch es klingt- tats\u00e4chlich auch k\u00f6rperlich m\u00fcde macht. Wenn dann auch noch die Nacht vorher sehr kurz war, so ist es dann oft auch so, dass ich mich Nachmittags zwei oder drei Stunden hinlegen &#8222;muss&#8220; da ich tats\u00e4chlich dann total K.O. bin. Genau deswegen versuche ich dann wohl h\u00e4ufig (bewusst unbewusst) dieses Gedankenkarussell zu bet\u00e4uben. Das klappt recht zuverl\u00e4ssig, in dem ich stumpf an der Konsole zocke. Damit kann ich die Gedanken eine ganze Zeit &#8222;an die Seite&#8220; schieben und bekomme an manchen Tagen dadurch sogar so etwas wie einen freien Kopf um mich -wenn auch sp\u00e4ter- um die anstehenden Aufgaben zu k\u00fcmmern. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Abends ist dann h\u00e4ufig Ruhe<\/h4>\n\n\n\n<p>Und irgendwann kommt dann der Abend. Ich habe schon oft von anderen Betroffenen geh\u00f6rt, dass der Abends &#8222;am Schlimmsten&#8220; sei. Weil da oftmals die Gedanken des Tage noch mal einen richtigen Tritt verpassen. Das kann ich f\u00fcr mich so nicht best\u00e4tigen. Im Gegenteil, bei mir ist es meisten am Abend etwas besser. Ich bin noch nicht genau dahinter gekommen, warum das so ist, habe aber eine Vermutung. Ich glaube, ich kann Abends einfach ein bisschen &#8222;runterfahren&#8220;, weil ich wieder einen Tag &#8222;geschafft&#8220; habe. Scheinbar belohnt sich da mein Hirn gern selbst wenn es sich schon den restlichen Tag \u00fcber jeden Mist Gedanken gemacht hat. Zumal ich Abends auch h\u00e4ufig die Energie finde, mich -zumindest \u00fcber die diversen Messenger- bei Freunden &amp; Bekannten zu melden.  Da gibt dann in solchen depressiven Phasen durchaus auch nochmals einen kleinen Auftrieb. Noch dazu habe ich in den letzten Wochen\/Monaten den Abend tats\u00e4chlich auch f\u00fcr mich genutzt. Musik h\u00f6ren, etwas lesen, Dinge im Netz recherchieren\/lesen die mich tats\u00e4chlich auch interessieren. &#8222;Me-Time&#8220; oder auch ganz einfach: Zeit f\u00fcr mich. Das ist viel wert. Meisten wird dann noch, dank Streaming, eine Folge einer Serie oder irgendeine Doku geschaut bis ich dann eine vern\u00fcnftige Schlafenszeit erreicht habe. Mit viel Gl\u00fcck und einem einigerma\u00dfen guten Tag, kann ich auch ohne das l\u00e4stige &#8222;Gedankenkarussell&#8220;einschlafen und komme auf meine 7 oder 8 Stunden Schlaf (Ja, ich brauch das tats\u00e4chlich. Bei mir ganz pers\u00f6nlich, h\u00e4ngt vom Schlaf verdammt viel vom Stimmungsbild am n\u00e4chsten Tage ab).<br><\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann startet dann ein neuer Tag. In letzter Zeit gl\u00fccklicherweise mehr ohne l\u00e4stiges Gedankenkarusell als wieder voller Gedanken. Aber auch die oben beschriebenen Tage sind noch da. Mal mehr, mal weniger. Aber genau das macht eben die st\u00e4ndige Achterbahnfahr auf der <strong><em>#Kopfkirmes<\/em><\/strong> aus.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"background-color:#e5f5ff;color:#000000;font-size:12px\" class=\"has-text-color has-background\"><strong>Disclaimer:<\/strong><br>Ja, ich wei\u00df wie sich dieser Beitrag vielleicht auf den ersten Blick liest.<br><em>&#8222;Meine G\u00fcte, was ein faules St\u00fcck!<\/em>&#8222;, <em>&#8222;Der Typ l\u00e4sst sich von irgendwelchen Gedanken so aus der Bahn werfen?! Soll sich nicht so anstellen!&#8220;<\/em> oder <em>&#8222;Weniger denken, einfach machen!&#8220;<\/em> sind Dinge die ich nicht nur einmal geh\u00f6rt habe. Und es ist sogar okay wenn jemand dieser (ersten) Meinung ist. Denn genauso schwer wie es ist als Betroffener mit einer depressiven Phase umzugehen, so ist auch verdammt schwer einem &#8222;Nicht-Betroffenen&#8220; davon ein Gef\u00fchl zu geben. Ich habe oben &#8222;frei von der Leber&#8220; geschrieben und somit versucht vielleicht einen kleinen Einblick in meinen Alltag mit Depressionen zu geben. Seid Euch versichert, auch f\u00fcr mich ist das keine Party und es f\u00fchlt sich nicht besonders gut an, wenn man nicht so &#8222;funktioniert&#8220; wie andere Menschen. Es ist kein Spa\u00df, wenn das &#8222;Gedankenkarusell&#8220; einem wirklich \u00fcber Stunden festh\u00e4lt und sich schier endlos im Kreis dreht. Da findet man selbst nur schwer einen Ausweg. Ich sags mal so: Ich g\u00f6nne dieses Gef\u00fchl meinem schlimmsten Feind nicht. Es ist nicht sch\u00f6n so zu sein. Auch wenn man \/manchmal) meinen k\u00f6nnte, ich w\u00fcrde mich darauf ausruhen. Bei Weitem nicht. Ich h\u00e4tte es am liebsten schon vorgestern ge\u00e4ndert wenn ich k\u00f6nnte. ?<br><br>Seid also vielleicht etwas vorsichtiger bevor ihr in Zukunft jemand zu schnell &#8222;bewertet&#8220;. Man wei\u00df nie genau, was genau dahinter steckt und vor allem, wie sich dieser Mensch selbst dabei f\u00fchlt. Fragt vorsichtig nach wenn Ihr wirklich interessiert seid. Seid nett zueinander &amp; schaut auch mal hinter den ersten Eindruck. ?<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\">Beitragsbild von <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/Pexels-2286921\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=1867550\" target=\"_blank\">Pexels<\/a> auf <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=1867550\" target=\"_blank\">Pixabay<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich f\u00e4ngt ein Tag ja mit dem Aufstehen an. Ich m\u00f6chte diesen Beitrag \u00fcber meinen Alltag aber schon am Abend vorher beginnen. Mit dem, zum Teil sehr schwierigen, Einschlafen irgendwann Nachts. 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