{"id":452160,"date":"2018-12-13T09:07:41","date_gmt":"2018-12-13T08:07:41","guid":{"rendered":"http:\/\/danwolf.de\/?p=452160"},"modified":"2024-07-15T16:24:24","modified_gmt":"2024-07-15T14:24:24","slug":"das-haette-ich-bei-dir-nie-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kopfkirmes.info\/?p=452160","title":{"rendered":"&#8222;Das h\u00e4tte ich bei Dir nie gedacht!&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Sowas oder etwas \u00e4hnliches habe ich schon mehrfach geh\u00f6rt. Gerade in den letzten Tagen, in denen ich hier das Schreiben angefangen habe. War\/bin ich doch der Typ Mensch, der -augenscheinlich- recht souver\u00e4n im Leben steht. Vielleicht mit der ein oder anderen Ecke &amp; Kante&#8230; Aber wer hat die nicht?! Doch eine &#8222;psychische Erkrankung&#8220;?! Bei mir?! Niemals! Da k\u00f6nnen Menschen doch eher \u00fcber Wasser laufen und aus Wasser Wein machen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich finde ich diese -erste- Reaktion gar nicht mal schlimm. Habe ich es mir ja auch nicht auf die Stirn geschrieben und\/oder gehe mit meinem Gesundheitszustand &#8222;hausieren&#8220;. Zudem ich \u00fcber die Jahre echt gut darin geworden bin, mir &amp; anderen eine Fassade aufzubauen um nicht wirklich zu offenbaren was mit &amp; in mir passiert. Das war sicherlich auch eine Art von Selbstschutz, erleben Betroffene doch auch immer wieder Stigmatisierung oder&nbsp;Bagatellisierung von psychischen Erkrankungen. Auch ich habe zum Teil diese Erfahrung gemacht. Viel mehr spielte aber in meinem Fall die Scham eine Rolle. Ich habe mich wirklich gesch\u00e4mt zuzugeben, dass ich an manchen Tage es noch nicht mal schaffe meinen normalen Tagesrhythmus hinzubekommen. Geschweige dann Aufgaben im Job oder eine vern\u00fcnftige Kommunikation mit Menschen. Ein gefl\u00fcgelter Satz auf die Frage wie es mir denn geht, war bei mir gerne mal ein saloppes &#8222;Muss ja!&#8220;. Sogar bei Familienangeh\u00f6rigen habe ich dies so weit getrieben, dass sie selbst irgendwann von sich aus gar nicht mehr gefragt haben. Ich habe also alles daf\u00fcr getan, dass niemand <em>hinter<\/em> die Fassade schauen konnte\/durfte. Sicherlich spiele da auch die Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung eine gro\u00dfe Rolle. Hat mir die <em>Kopfkirmes<\/em> streckenweise doch selbst vorgemacht was f\u00fcr ein toller Kerl ich doch sei. Und damit habe ich mir -nach au\u00dfen hin- wahrscheinlich ein recht souver\u00e4nes Auftreten aufgebaut. Ein Auftreten, welches aber ziemlich fragil war. Eins, welches oftmals bei der kleinsten Kritik oder dem kleinsten Versuch hinter die Fassade zu schauen, zusammengebrochen ist. Mit allen nur erdenklichen Achterbahnfahrten der <em>Kopfkirmes<\/em>. Und vor allem mit einem sehr fadem Beigeschmack. Ich habe mich \u00fcber mich selbst ge\u00e4rgert, nicht doch ehrlich gewesen zu sein. Und mal zuzugeben, dass es mir ganz und gar nicht gut geht.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>All das hat wahrscheinlich mehr zu dem Satz aus der \u00dcberschrift beigetragen, als ich selbst gedacht habe. Aber wie kann man so eine &#8222;\u00fcberraschte&#8220; Reaktion denn jetzt vermeiden? Ich glaube pers\u00f6nlich, fast gar nicht. Im ersten Moment ist es eben erschreckend, wenn bei einem Mensch aus dem nahen Umfeld eine &#8222;Beeintr\u00e4chtigung&#8220; zu erkennen ist. Ganz gleich, ob dieser Mensch selbst damit oder z.B. mit Hilfe von Texten in Form eines Blog um &#8222;die Ecke kommt&#8220;. Gerade bei m\u00e4nnlichen Betroffenen -ohne jetzt andere Betroffene abwerten zu wollen- ist diese Reaktion wohl ziemlich h\u00e4ufig. Wenn es um psychische Erkrankungen geht, herrscht halt (leider) immer noch ein sehr klassisches Rollenbild vor. M\u00e4nner, die &#8222;Kr\u00f6nung&#8220; der Sch\u00f6pfung, k\u00f6nnen\/d\u00fcrfen sich doch keine <em>Kopfkirmes<\/em> leisten. Die m\u00fcssen doch mit beiden Beinen im Leben stehen. Nein, m\u00fcssen sie nicht&#8230; Ganz im Gegenteil. Und genau das ist es, was ich mir so gar nicht auf diesen einen Satz erwarte. Das man das nicht hat glauben k\u00f6nnen weil ich doch ein Baum von Mann bin. &#8222;Treffen&#8220; kann diese Krankheit wirklich jeden. Das habe ich auch wieder in der letzten Behandlung in der Tagesklinik gesehen. Ein &#8222;buntes&#8220; Spektrum aus alle Geschlechtern, &#8222;sozialen Schichten&#8220;, Berufen und &#8222;Vorgeschichten&#8220;. Aber gerade auch im &#8222;normalen&#8220; Leben kann es jeden Menschen treffen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Deswegen ist eine &#8222;erschrockene&#8220; erste Reaktion okay, sofern danach nicht mit Phrasen um sich geworfen wird. Mir selbst hat es, gerade in letzter Zeit, oft geholfen wenn interessierte Nachfragen kommen. Sicherlich mit dem n\u00f6tigen Fingerspitzengef\u00fchl und ohne zu bohren&#8230; Aber Nachfragen haben geholfen. Ich konnte mich oftmals dann wesentlich leichter \u00f6ffnen. Und bin dadurch sogar ein bisschen &#8222;n\u00e4her&#8220; an mich selbst gekommen. Psychische Erkrankungen sind ein komplexes und nicht so leichtes Thema. Besonders auch f\u00fcr die Betroffenen selbst. Daher gebt uns Raum um uns zu &#8222;erkl\u00e4ren&#8220;, von den eigenen Erfahrungen zu erz\u00e4hlen, aber auch mal dem Betroffenen einzur\u00e4umen, nicht alles auf einmal auf den Tisch zu packen. Es ist schon als Betroffener schwierig genug, Ordnung in die <em>Kopfkirmes <\/em>zu bringen. Es auch noch anderen Menschen zu erz\u00e4hlen, erfordert oftmals noch viel mehr Kraft. Gebt uns also durchaus Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Und bitte&#8230; Reduziert uns nach solch einer &#8222;Offenbarung&#8220; nicht auf das Krankheitsbild. Ja, die Betroffenen habe eine (oder mehrere) gro\u00dfe Baustellen vor sich. Aber diese Baustelle definiert niemals den kompletten Menschen. Wir sind nicht nur die &#8222;Depression&#8220; (o.a.). Wir sind ein Mensch mit einer Beeintr\u00e4chtigung des Seelenlebens, habe unser St\u00e4rken (und Schw\u00e4chen) dadurch aber nicht verloren. Wir k\u00f6nnen all das nur leider nicht immer in passender Form abrufen. Zudem ist die &#8222;Krankheit&#8220; keine nat\u00fcrliche Person. Frag also vielleicht nicht unbedingt, wie es &#8222;der Krankheit&#8220; geht. Frag lieber, wie es uns als Menschen geht. Ob ihr irgendetwas f\u00fcr uns tun k\u00f6nnt. Ob es okay ist, mehr \u00fcber die &#8222;Krankheit&#8220; zu erfahren. Tauscht Euch auf <strong><em>Augenh\u00f6he<\/em><\/strong> mit den Betroffenen aus. Lasst ihnen aber auch genug Raum, um einfach mal Luft zu holen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann kann aus der ersten erschrockenen Reaktion oftmals ein sehr interessantes und f\u00fcr beide Seiten hilfreiches Gespr\u00e4ch entstehen. ;)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sowas oder etwas \u00e4hnliches habe ich schon mehrfach geh\u00f6rt. 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