{"id":1708750,"date":"2023-12-19T13:17:00","date_gmt":"2023-12-19T11:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kopfkirmes.info\/?p=1708750"},"modified":"2024-07-15T16:24:15","modified_gmt":"2024-07-15T14:24:15","slug":"die-sache-mit-der-eigenen-leistungsgrenze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kopfkirmes.info\/?p=1708750","title":{"rendered":"Die Sache mit der eigenen Leistungsgrenze"},"content":{"rendered":"\n<p>Das manchmal der ber\u00fchmte &#8222;Akku&#8220; einfach leer ist, muss ich wohl niemanden erz\u00e4hlen. Weder &#8222;Neurodiversen&#8220; Menschen, noch &#8222;Normalos&#8220;. Zigtausende Faktoren saugen den Tag \u00fcber an unserem eigenen Akku und n\u00f6tigen uns &#8211; mal fr\u00fcher, mal sp\u00e4ter &#8211; eine Pause und damit das verbundene &#8222;Aufladen&#8220; ab&#8230; Und das ist auch gut so, ich pers\u00f6nlich finde die Vorstellung ziemlich gruselig, wenn unser Akku &#8222;unendlich&#8220; halten w\u00fcrde und wird ohne Pausen &#8222;durchlaufen&#8220; w\u00fcrden&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings habe ich, gerade nach der AD(H)S Diagnose, in letzter Zeit mal etwas genauer hingeschaut was mein &#8222;Ladestand&#8220; so macht, wie er auf \u00e4u\u00dfere Einfl\u00fcsse reagiert und wie ich ihn &#8222;beeinflussen&#8220; kann, vielleicht doch (ein bisschen) l\u00e4nger durchzuhalten. Dazu muss ich sagen, dass ich vor der AD(H)S Diagnose lange Jahre nicht wirklich gut auf mich geachtet habe. Zum Beispiel haben sich mir meine ersten zwei Jahre als Fahrlehrer <sup>(Ja in der Tat, ich war mal Fahrlehrer! Dazu aber irgendwann mehr) <\/sup>sehr (negativ) eingebrannt. Frisch gepr\u00fcft, mit &#8211; damals &#8211; noch viel Elan f\u00fcr den Beruf und die Sch\u00fcler, habe ich durchgezogen, als g\u00e4be es kein Morgen mehr. Zwar habe ich nicht 24\/7 durchgearbeitet, ging auch gar nicht weil ich einen relativ weiten Anfahrtsweg zur Arbeit hatte, trotzdem habe ich wenig auf mich geachtet bzw. habe wenig R\u00fccksicht auf gewisse Warnsignale genommen. So hat es bspw. bestimmt ein Dreivierteljahr gedauert, bis ich das erste Mal wirklich \u00fcber &#8222;Urlaub&#8220; nachgedacht habe, den dann auch eingereicht habe und quasi &#8222;auf den letzten Dr\u00fccker&#8220; zum Jahresende genommen habe. Und auch nicht wirklich lange, weil ich ich ja &#8222;so geil&#8220; aufs Arbeiten war. Aber auch \u00fcber den Arbeitstag hinweg, habe ich irgendwie immer versucht, ein Sch\u00fcler nach den anderen &#8211; am besten noch nahtlos &#8211; aneinander zu reihen. Man muss ja was schaffen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem bin ich wohl damals auch einfach w\u00e4hrend der Ausbildung so konditioniert worden <em>(Ber\u00fchmter Spruch unter Fahrlehrern: &#8222;Das Auto muss rollen, sonst macht es keinen Umsatz!!!&#8220;)<\/em>, au\u00dferdem habe ich damals schlicht &amp; ergreifend auch noch gar nicht meine eigenen Leistungsgrenzen erkannt\/erkennen wollen (Obwohl ich durchaus schon den ein oder anderen Klinikaufenthalt und die ein o. andere Diagnose hinter mir hatte!). Das f\u00fchrte in den (kurzen) Auszeiten dann dazu, dass ich ziemlich angespannt, ekelig gegen\u00fcber meinem Umfeld war und mir irgendwann selbst auf die Nerven gegangen bin. Und das im Urlaub\/der Zeit in der man ja eigentlich &#8222;runterkommen&#8220; sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wahrscheinlich habe ich aber mit der vergleichsweise vielen Arbeit irgendwo auch meine ganz pers\u00f6nliche (und damals nicht kleinen!) Unsicherheit kompensiert. <em><strong>Bin ich gut genug (im Job)? Schaffe ich das alle wirklich? Ist es noch Herausforderung oder schon \u00dcberforderung?<\/strong><\/em> Fragen, die ein ADSler wohl nur zu gut kennt&#8230; Aber anstatt damals mal in mich zu gehen (auch ohne Diagnose), habe ich die kleinsten Bedenken weggesto\u00dfen und habe quasi einfach weitergemacht. Selbst bei allen Stellen, die danach kamen. Eigentlich war ich erst bei der Anstellung soweit wirklich weniger zu arbeiten, bei der es am Ende auch so massiv geknallt hat (Mit K\u00fcndigung und Gerichtsverfahren&#8230; Bla&#8230; Story f\u00fcr eine ganze Reihe eigener Beitr\u00e4ge!). Dort aber auch weniger auch &#8222;Selfcare&#8220; heraus, sondern viel mehr weil der Chef so ein Idiot war und im Endeffekt alle sein Angestellte wie den Dreck unter den Fingern\u00e4geln behandelt hat. Das war damals also vielmehr eine Trotzreaktion (Oder vielleicht auch eine Grenz\u00fcberschreitung wg. der #Kopfkirmes&#8230; Nur halt damals noch unbewusst).<\/p>\n\n\n\n<p>Aber zur\u00fcck zum Thema&#8230; \ud83d\ude09\ud83d\ude44<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem ganzen Chaos rund um den Job als Fahrlehrer und das ich ihn letztendlich auch (gar nicht mal so lange vor der AD(H)S Diagnose) an den Nagel geh\u00e4ngt habe, ist bei mir das Bewusstsein um meine eigenen (Leistungs)Grenzen deutlich gestiegen. Auch weil ich nat\u00fcrlich irgendwann (k\u00f6rperlich) gemerkt habe, dass es nicht mehr geht (Hallo R\u00fccken!), aber eben auch absolut mit der Psyche am Ende war und im Endeffekt nur noch Flickschusterei mit meiner #Kopkirmes betrieben habe. Ganz deutlich wurde es mir dann aber, als ich mich im Zuge der AD(H)S Diagnose, mit der s.g. &#8222;Spoon Theory <a href=\"https:\/\/www.achse-online.de\/de\/Informationen\/SelteneEinblicke\/Blog-Seltene-Loeffeltheorie.php\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">[1]<\/a>&#8220; besch\u00e4ftigt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die &#8222;Spoon Theory&#8220; oder &#8222;L\u00f6ffeltheorie&#8220; besagt, dass jeder Mensch eine gewisse Anzahl an L\u00f6ffel pro Tag zu Verf\u00fcgung hat, diese L\u00f6ffel bei jeglicher Aktivit\u00e4t verbraucht werden und man dann eben irgendwann an seine Leistungsgrenze ankommt. Nach dieser Theorie haben chronisch kranke\/neurodiverse Menschen allerdings A) schon mal von Grund auf weniger L\u00f6ffel zur Verf\u00fcgung pro Tag und B) werden bei ihnen f\u00fcr die selben (durchaus allt\u00e4glichen  Aktivit\u00e4ten wie z.B. Duschen) wesentlich mehr L\u00f6ffel verbraucht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"512\" src=\"https:\/\/kopfkirmes.info\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/mobile-battery-7412971_1280-1024x512.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1708829\" style=\"width:839px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/kopfkirmes.info\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/mobile-battery-7412971_1280-1024x512.png 1024w, https:\/\/kopfkirmes.info\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/mobile-battery-7412971_1280-100x50.png 100w, https:\/\/kopfkirmes.info\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/mobile-battery-7412971_1280-768x384.png 768w, https:\/\/kopfkirmes.info\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/mobile-battery-7412971_1280-228x114.png 228w, https:\/\/kopfkirmes.info\/wp-content\/uploads\/2023\/12\/mobile-battery-7412971_1280.png 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das ist ein wirklich sch\u00f6nes &#8222;Sinnbild&#8220;, ich bin allerdings &#8211; ganz &#8222;nerdig&#8220; &#8211; eher der Freund einer tats\u00e4chlichen &#8222;Akku Metapher&#8220;. F\u00fcr mich habe die meisten Nicht-Neurodiversen Menschen einen Akkustand im Normalfall von 90-100% pro Tag. Menschen mit chronischen Erkrankungen habe allerdings vielleicht grad mal 30-40% Akkustand pro Tag. &#8222;M\u00fcssen&#8220; aber nicht selten eben eine \u00e4hnliche Tagestruktur schaffen, wie die &#8222;Normalos&#8220;. Und da geht es schon los&#8230; Haushalt, Arbeit, Freizeit, soziale Kontakte&#8230; All das versucht man als Neurodiverser Mensch in die 30-40% zu packen und scheitert nicht selten schon  bei der blo\u00dfen Vorstellung daran&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch ich hatte eine Phase (so kurz nach der Diagnose), in der mir das schier unm\u00f6glich erschien und ich mich nicht selten hab von meinen &#8222;dunklen&#8220; Gedanken leiten lassen (&#8222;Vollidiot&#8230; Nix schaffst Du! Nicht mal die kleinste Kleinigkeit!&#8220;). So etwas war nat\u00fcrlich v\u00f6llig kontraproduktiv. Daher habe ich dann mal angefangen, im Zuge der ersten Schritte mit der Medikation, zu schauen wo den meine Leistung &#8222;gezogen&#8220; wird und wie ich sie wieder (etwas) aufladen kann. Tats\u00e4chlich ist es bei mir recht simple&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Selbsterkenntnis, dass ich eben aufgrund des ADS (momentan) nicht so viel schaffe wie eventuell ein gesunder Mensch. Schlicht und ergreifend. Nicht selten wird man von seinen Emotionen einfach \u00fcberrollt, was in dem Moment so viel Akku zieht, dass man oftmals danach sprichw\u00f6rtlich &#8222;leer&#8220; ist. Oder auch das eben (kleinste) Alltagsaufgaben wie z.B ein Telefonat, etwas organisieren, B\u00fcrokram, der Haushalt o.\u00e4. manchmal eben so ein krasser Akkufresser ist, dass man fast nix anders kann als total ersch\u00f6pft &#8222;zusammenzubrechen&#8220;. Und auch die Akzeptanz f\u00fcr diesen Umstand&#8230; Dass man eben oft sehr viel schneller an seine Grenzen kommt&#8230; Hat mir ganz enorm geholfen, besser damit und auch beim Erkennen eigener Grenzen , umzugehen. Besonders habe ich das jetzt im (finalen) Umgang mit meinen (baldig notwendigen) Umzug bemerkt&#8230; Ich muss hier am Jahresende raus sein, also habe ich schon Anfang Oktober angefangen Kisten\/Dinge zu packen. Einfach weil ich da (inzwischen) wusste, dass ich es eben ganz sicher mit meiner geringe Akkukapazit\u00e4t sicherlich nicht innerhalb einer o. zwei Wochen schaffe, aber auch weil ich mir eben ganz bewusst Platz f\u00fcr Pausen\/Abstand genommen habe. Mal ein bis zwei Kartons pro Tag, mal das eine Zimmer zur H\u00e4lfte an dem einen Tag, dann die andere H\u00e4lfte am n\u00e4chsten Tag, dazwischen immer wieder Pausen &amp; Dinge getan, die mir und meiner #Kopfkirmes gut getan habe. Und somit daf\u00fcr gesorgt haben, dass mein Akku wieder etwas aufgeladen wird und nicht st\u00e4ndig an den 5% rumkratzt, mich im Endeffekt wieder in ein v\u00f6lliges Leistungsloch zieht und ich dann am Ende gar nix mehr schaffe&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Dann doch lieber langsam, mit Bedacht und einer geh\u00f6rigen Portion &#8222;Selbstf\u00fcrsorge&#8220;&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr f\u00fchlt es sich aber tausendmal besser an, als wenn man sich den (vermeidlichen) Druck von au\u00dfen hingibt und daran eventuell auch zu Grunde geht. Es auf eigene Art &amp; Weise, im ganz eigenen Tempo machen&#8230; Ich glaube, dass ich wirklich mein gro\u00dfes Credo seitdem. Auch wenn mein Hirn &#8211; zugegeben &#8211; an manchen Tagen noch etwas damit &#8222;struggelt&#8220;&#8230; Alte, eingefahrene und nicht immer positive Denkmuster bekommt man eben (leider!) nicht von heute auf morgen weg&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Was habt Ihr f\u00fcr Strategien entwickelt, um mit dem &#8222;wenig&#8220; Akku so gut wie m\u00f6glich zu &#8222;haushalten&#8220;? Wo sind Eure &#8222;Sweetspots&#8220; in Sachen eigener Grenzen? Und wie entspannt\/ladet Ihr Euren Akku wieder auf?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\"><strong><em>P.S.: Und bitte nicht vergessen: Nur weil Neurodiverse Menschen einen vielleicht nicht so &#8222;vollen&#8220; Akku haben wie andere Menschen&#8230; Hei\u00dft das noch lange nicht, dass wie nicht auch Leistung erbringen. Ganz im Gegenteil&#8230; Denn wir geben mit unseren vielleicht 30% genauso 100% wie Menschen mit vollen Akku&#8230;\ud83d\ude4c<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-cyan-bluish-gray-background-color has-background\" style=\"font-size:10px\"><em>Disclaimer: <\/em><br><em>Heute, wohl aufgrund der Medikation, blo\u00df &#8222;nur&#8220; ne knappe Stunde an dem Beitrag gesessen, zum Teil auch im Hyperfokus, viel weniger abgelenkt. Und das bei &#8222;nur&#8220; 10mg MPH vor etwa 2h. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\">Artikelbild von <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/noppakaw-1146008\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=1112456\">\u0e19\u0e1e\u0e40\u0e01\u0e49\u0e32 \u0e15\u0e38\u0e25\u0e32\u0e17\u0e2d\u0e07<\/a> auf <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=1112456\">Pixabay<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das manchmal der ber\u00fchmte &#8222;Akku&#8220; einfach leer ist, muss ich wohl niemanden erz\u00e4hlen. Weder &#8222;Neurodiversen&#8220; Menschen, noch &#8222;Normalos&#8220;. 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