{"id":1704691,"date":"2023-12-12T19:33:00","date_gmt":"2023-12-12T17:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/kopfkirmes.info\/?p=1704691"},"modified":"2024-07-15T16:27:26","modified_gmt":"2024-07-15T14:27:26","slug":"wie-sich-diagnosen-im-laufe-der-zeit-veraendern-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kopfkirmes.info\/?p=1704691","title":{"rendered":"Wie sich Diagnosen im Laufe der Zeit ver\u00e4ndern (k\u00f6nnen)&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>Lasst uns heute mal \u00fcber Diagnosen (psychischer) Krankheiten sprechen&#8230; \ud83d\ude09<\/p>\n\n\n\n<p>Klar&#8230; Ein gebrochenes Bein ist meisten in der Tat ein gebrochenes Bein. Auch eine Erk\u00e4ltung kann man fast schon selbst ziemlich Zielsicher diagnostizieren. Aber wie sieht das bei psychischen Erkrankungen aus?! Ist da eine Diagnose, wenn sie einmal &#8222;Schwarz auf Wei\u00df&#8220; festgehalten worden ist, tats\u00e4chlich auch in Stein gemei\u00dfelt?! Mitnichten&#8230; Wie ich inzwischen selbst erfahren durfte&#8230; \ud83d\ude43<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hier vielleicht von &#8222;Beginn an&#8220; mit dabei ist (Wobei mir jetzt beim Schreiben aufgefallen ist, dass ich den Blog mit der jetzigen Ausrichtung tats\u00e4chlich auch &#8222;erst&#8220; seit 2018 betreibe&#8230; \ud83d\ude04), der wird eventuell noch meine Beitr\u00e4ge zur (meiner eigenen &#8211; angeblichen) Narzisstischen Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung (NPS) erinnern. Die erste fachliche Diagnose zu diesem St\u00f6rungsbild ist in der Tat schon deutlich \u00e4lter als das Blog hier, ich habe 2005\/2006 zuerst eine Verdachts- dann im Jahr darauf eine &#8222;gesicherte&#8220; Diagnose bekommen. Ich schreibe das jetzt inzwischen in Anf\u00fchrungsstrichen, da seit der letzten ambulanten Therapie aber auch inzwischen von meiner Fach\u00e4rztin ganz arg angezweifelt wird, dass die Diagnose noch Bestand hat. Auch gerade mit der neusten (gesicherten) AD(H)S Diagnose&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Man muss allerdings auch mal den zeitlichen Rahmen betrachten, in dem die NPS-Diagnose gestellt worden ist. Auch wenn es Anfang des Jahrtausend schon ganz okay war was die Diagnose &amp; Behandlung von psychischen Erkrankungen angeht, so ist inzwischen &#8211; bald 20 Jahre weiter &#8211; schon eine ganz andere Hausnummer. Aus meiner Erfahrung heraus wird sp\u00fcrbar differenzierter &#8222;hingeschaut&#8220; (hingeh\u00f6rt?!), man hat selbst bei der (bitte nicht falsch verstehen!) &#8222;Brot &amp; Butter Diagnose&#8220; Depression eine wesentlich vielschichtigere Testung&#8230; Zudem sitzt dem Patienten nat\u00fcrlich inzwischen auch eine &#8222;neue&#8220; Generation an Psychiatern\/Therapeuten gegen\u00fcber. Ich hab das 2018 beim meinem letzten Klinikaufenthalt festgestellt. Die junge \u00c4rzte &amp; Therapeuten brachten wirklich einen frischen Wind mit&#8230; Auch in Sachen Diagnostik (Dort wurde in der Tat das erste Mal der Verdacht auf die AD(H)S ge\u00e4u\u00dfert) und Therapiebegleitung. Damals beim erste\/zweiten Klinikaufenthalt war der Therapeut &#8211; grad r\u00fcckwirkend gesehen &#8211; doch schon ein bisschen &#8222;angestaubt&#8220;. <\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich kam nicht nur deswegen die Diagnose der NPS Zustande. Auch habe ich mich damals wohl zum einem noch gar nicht so &#8222;gut&#8220; selbst einsch\u00e4tzen k\u00f6nne, au\u00dferdem werde ich wohl selbst dort ind er Klinik noch heftiges &#8222;Masking&#8220; betrieben haben. Das da dann eventuell auch mal ein &#8222;Fachmann&#8220; mit seiner Diagnose daneben liegt&#8230; F\u00fcr mich als &#8222;Betroffener&#8220; wenig verwunderlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider habe ich selbst die Diagnose einer NPS ziemlich lange mit mir rumgetragen, vielleicht auch zu lange nicht wirklich hinterfragt. Anfangs war es auch sehr gro\u00dfes Stigma f\u00fcr mich selbst. Ist die Diagnose NPS auch heutzutage nicht selten bei anderen Menschen noch sehr &#8222;negativ&#8220; behaftet. Das macht es Betroffene leider immer noch sehr schwer, damit selbst aber auch gegen\u00fcber anderen Menschen &#8222;offen&#8220; umzugehen. Ist aber ein anderes Thema&#8230; \ud83d\ude09<\/p>\n\n\n\n<p>Viel mehr m\u00f6chte auf ein paar &#8222;Schnittpunkte&#8220; zwischen den Diagnosen NPS &amp; AD(H)S eingehen, die mir vor allem in den letzten zwei Jahren sehr deutlich aufgefallen sind&#8230;<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Impulsivit\u00e4t (besonders emotionale): Ja, das war und bin ich nach wie vor noch sehr. Mir fehlt bei jeglichen Emotionen &#8211; ganz egal ob positiv oder negativ &#8211; die Impulskontrolle. Auf der einen Seite kann ich mich einen Ast in den Po freuen&#8230; selbst bei Kleinigkeiten, auf der anderen Seite kann ich bei negativen Emotionen explodieren wie ein Vulkan. Und gerade dieses sehr explosive (und zurecht nach au\u00dfen hin sehr Angsteinfl\u00f6\u00dfendes) Verhalten war f\u00fcr den Therapeuten damals anno 2006 ein sehr deutlich Indiz auf eine NPS. Das ich mein Leben lang nicht vern\u00fcnftig gelernt habe mit meiner deutlich \u00fcberh\u00f6hten Emotionsimpulsen umzugehen, wundert mich das wenig. Es war (und ist leider auch och zum Teil) meine Strategie, gerade negative &#8222;Verletzungen&#8220; mit explosiver Impulsivit\u00e4t zu beantworten (Was \u00fcbrigens ADSler nicht selten tun&#8230;  Erlernte Mechanismen und so).<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Das vermeintlich sehr egozentrische Auftreten\/Verhalten gg\u00fc anderer Menschen. Auch hier wieder: Ja, das war\/bin ich zum Teil noch, wenn man als &#8222;Richtschnur&#8220; die NPS nimmt, kann so ein Auftreten sicherlich auch ohne &#8222;schlechtes Gewissen&#8220; bei der Diagnostik einer NPS abhaken. Allerdings habe ich inzwischen auch in dieser Hinsicht gelernt, dass ich mir da aus Angst vor &#8211; vermeidlich &#8211; negativen Reaktionen meiner Mitmenschen , eine Art von Schutzmauer aufgebaut habe. Da spielt noch eine ganze Menge Misstrauen aufgrund (sehr) alter Traumata eine Rolle, aber im Alltag kann ich wirklich h\u00e4ufig sehr egozentrisch wirken. Spr\u00e4che ja im Grunde auch f\u00fcr eine NPS. Wenn es eben nicht aus einem v\u00f6llig anderen &#8222;Beweggrund&#8220; zustande kommt&#8230;<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Gedankenlosigkeit gg\u00fc andere Menschen. Anderen ADSlern muss ich dazu wohl nichts erz\u00e4hlen&#8230; &#8222;Oh ein Eichh\u00f6rnchen! Was war noch gleich die Frage?!&#8220; &#8211; Das kann manchmal sicherlich beim Gegen\u00fcber als Gedankenlosigkeit\/Gleichg\u00fcltigkeit der eigenen Person her\u00fcberkommen. Das wir ADSler allerdings h\u00e4ufig zig mal mehr Sinneseindr\u00fccke aufnehmen als &#8222;Normalos&#8220;, hat weder etwas mit Gleichg\u00fcltigkeit oder Gedankenlosigkeit gg\u00fc andere Menschen zu tun. Und eben in meinem Fall noch viel weniger als mutwilliges Verhalten gg\u00fc anderer Menschen ganz im Gegenteil&#8230;<br><br><\/li>\n\n\n\n<li>Empathie &#8211; Oder wie sie mir damals (zurecht?!) abgesprochen worden ist. Denn ich muss ja eine NPS haben. Und Narzissten sind nicht empathisch! Oder so. Darunter (unter der angeblichen Empathielosigkeit) habe ich in der Tat auch lange Zeit gelitten. War es f\u00fcr mich selbst doch ein ziemliches Chaos in Sachen Empathie in meinen Kopf. R\u00fcckblickend war ich schon immer sehr &#8222;sensibel&#8220; was Empathie angeht. Schon als Kind. Meine Antennen haben bei der kleinsten Regung von Gef\u00fchlen\/Emotionen anfangen zu &#8222;empfangen&#8220;. Irgendwann im Jugendalter hat mich das dann allerdings sehr belastet&#8230; Hey, ich bin ein Kerl, ich kann doch jetzt nicht hochemphatisch sein! Das ist doch nicht cool. Also habe ich im wahrsten Sinne des Wortes einen Deckel drauf gemacht und hab begonnen einfach nicht mehr empathisch zu sein. Sp\u00e4ter mit der ersten Berufserfahrung habe ich zwar versucht mich wieder f\u00fcr Gef\u00fchle anderer zu \u00f6ffnen, habe es aber nach ein paar wenigen aber sehr heftig negativen R\u00fcckmeldungen wieder sein lassen. Damit hat sich dieser (nach au\u00dfen hin= &#8222;Gef\u00fchlskalte&#8220; Panzer manifestiert. Und ich habe auch aufgrund dessen, Jahre sp\u00e4ter die Diagnose einer angeblichen NPS bekommen. Auch hier habe ich erst in den letzten Jahren gelernt mich wieder zu \u00f6ffnen, dabei aber ganz arg auf meine ganz pers\u00f6nlichen Leistungsgrenzen in Sachen Emotionen\/Gef\u00fchle anderer Menschen zu achten. Und es inzwischen auch ganz offen anzusprechen, wenn es mir pers\u00f6nlich einfach zu viel wird. Kommunizieren, dass man gerade an eine Grenze kommt&#8230; Aber eben nicht aus B\u00f6swilligkeit &#8222;abschaltet&#8220;&#8230;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ich k\u00f6nnte jetzt noch ein paar andere &#8222;Kleinigkeiten&#8220;\/\u00dcberschneidungen ansprechen, die eventuell eine &#8222;falsche&#8220; Diagnose damals beg\u00fcnstig habe, allerdings w\u00fcrde das den Rahmen wohl sprengen. Eigentlich m\u00f6chte ich nur drauf hinweisen, dass man eben nicht &#8222;stehen bleiben&#8220; sollte, auch wenn einmal etwas &#8222;Schwarz auf Wei\u00df&#8220; steht. Gerade im Bereich von psychischen Erkrankungen ist die Diagnostik\/Behandlung (zum Gl\u00fcck) ein stetiges \u00c4ndern\/Ver\u00e4nderungen von Herangehensweisen. Es ist eine Art von Flow, der zum Gl\u00fcck nicht mehr in Stein gemei\u00dfelt sein muss. Als Betroffener, aber auch Angeh\u00f6riger und auch Behandler darf und sollte man regelm\u00e4\u00dfig Diagnosen hinterfragen. Um eben genau ein &#8222;festmei\u00dfeln&#8220; zu vermeiden&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich &#8222;\u00e4rgere&#8220; mich nur noch selten, dass ich so eine lange Zeit mit einer vermeidlich v\u00f6llig falschen Diagnose durchs Leben gegangen bin&#8230; Viel mehr sehe ich es inzwischen als Chance auch etwas \u00fcber mich und meine gesamte #Kopfkirmes zu lernen. F\u00fchrt doch eins zum anderen, die eine Diagnose eventuell auf genau den Weg zu einer anderen\/richtigen Diagnose&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:10px\">Artikelbild von <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/users\/mohamed_hassan-5229782\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=7234268\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mohamed Hassan<\/a> auf <a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/\/?utm_source=link-attribution&amp;utm_medium=referral&amp;utm_campaign=image&amp;utm_content=7234268\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Pixabay<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lasst uns heute mal \u00fcber Diagnosen (psychischer) Krankheiten sprechen&#8230; \ud83d\ude09 Klar&#8230; Ein gebrochenes Bein ist meisten in der Tat ein gebrochenes Bein. Auch eine Erk\u00e4ltung kann man fast schon selbst ziemlich Zielsicher diagnostizieren. Aber wie sieht das bei psychischen Erkrankungen aus?! 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